Nachhaltigkeitszertifizierung | global-creative-energy.eu

      Nachhaltigkeitszertifizierung

Auf der Grundlage der Verordnung der Europäischen Gemeinschaft 2009/28/EG ist in Deutschland ein komplexes regulatives Umfeld für den Umgang mit Biomasse zur energetischen Verwendung geschaffen worden. Mit der BioSt-NachV und der Biokraft-NachV sind die wesentlichen gesetzlichen Regelungen mit weitreichenden Folgen in nationales Recht umgesetzt worden. Damit ist dem Deutschen Binnenmarkt wiederum eine europäische Vorreiterrolle mit unmittelbarer Auswirkung auf den gesamten Europäischen Binnenmarkt zugefallen. Als wesentlichen Bestandteil sehen die nun vorliegenden Regularien eine Zertifizierung der Schnittstellen im Geltungsbereich der genannten nationalen und europäischen Gesetzgebung vor.

Die Anforderungen an eine „Erstzertifizierung" sind grundsätzlich von einer späteren „Nachzertifizierung“ oder Kontrolle zu unterscheiden. Die Erstzertifizierung beinhaltet in der Regel noch nicht die Betrachtung des operativen Geschäftes sondern hat zunächst die Überprüfungen der vorhandenen betrieblichen Strukturen zum Gegenstand. Erst in den späteren Kontrollen bzw. Nachzertifizierungen wird eine verordnungskonforme Umsetzung des operativen Geschäftes in den vorhandenen Strukturen überprüft.

Die Anforderungen an die Erteilung eines Zertifikates entlang der Lieferkette sind immer differenziert zu betrachten. So liegt der Schwerpunkt der Kontrolle im Bereich der Rohstofferzeugung (Landwirt) eindeutig auf dem Nachweis der §§ 4 bis 8 der Nachhaltigkeits- verordnungen. Insoweit bewegt sich die Zertifizierung hier mehr oder weniger im Bereich der üblichen Agrarzertifizierungen.

 

Ein Unternehmen, das nachhaltige Rohstoffe in der Europäischen Union aufnimmt oder verarbeitet, wie zum Beispiel eine Agrargenossenschaft oder Ölmühle erhält jedoch in der Regel bereits mit den Rohstoffen die erforderlichen Nachweise des Produzenten der nachhaltigen Biomasse, so dass hier die Prüfung im Rahmen der Erstzertifizierung und späteren Kontrollen einen ganz anderen Schwerpunkt hat. Hier kommt es darauf an, den Nachweis zu erbringen, dass

  1. sämtliche Warenbewegungen nachhaltiger Biomasse in einem von mehreren durch das Zertifizierungssystem vorgegebenen Massenbilanzsystemen dokumentiert worden sind,

  2. die für dieses System aus der einschlägigen Nachhaltigkeitsverordnung und des Zertifizierungssystems resultierenden Regeln eingehalten worden sind und

  3. die Berichts- und Dokumentationspflichten erfüllt wurden.

Je nachdem, welches der vorgegebenen Bilanzsysteme in dem Unternehmen (Schnittstelle) zum Einsatz kommt, können auch Warenströme bewegt und dokumentiert werden, die nicht zu 100%, sondern nur zu einem geringeren Prozentsatz nachhaltig sind. Darüber hinaus spielt es auch eine erhebliche Rolle, ob mit Standardwerten oder empirisch ermittelten Werten gearbeitet wird.  Die sichere Beherrschung der Saldierung von nachhaltiger Biomasse und deren Treibhausgasemissionswerten bringt erhebliche Vorteile für das Unternehmen mit sich und kann einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen.